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Alles hat 1997 angefangen: ich hatte gerade damit begonnen, die Beratungsstelle zur Qualifizierung von ausländischen Nachwuchskräften - BQN - unter Trägerschaft der AWO Bremen einzurichten. Dazu gehörte auch die Initiierung eines "Azubi-Stammtisches". Diese Idee hatte ich in Köln kennen gelernt, als Projektmit­arbeiterin bei der Kölner BQN. Ich erinnere mich noch sehr genau an die erste Begegnung mit Hatice Balkaya, die den Stammtisch als Pionierin mit aufgebaut hat und heute 1. Vorsitzende des Qualitreffvereins ist. Sie schaute mich fragend an: "Meine Geschichte interessiert wirklich andere Personen? Dabei habe ich doch nur das Beste daraus gemacht und versucht meinen Weg zu finden und zu gehen".

Diese Aussage ist bezeichnend und wegweisend für den Stamm­tisch bzw. die Entwicklung zur Vereinsgründung. Viele dachten ähnlich wie Hatice zu Beginn unserer gemeinsamen Arbeit; kaum jemand hatte sich für ihre persönlichen und beruflichen Werdegänge interessiert. Und wenn, nahmen sie es nicht als "authentisches" Interesse an ihrer Person wahr, weil es ungewohnt war. Bei vielen Veranstaltungen, Tagung­en, Messen, Kontaktbörsen und Elternrunden konnten die BQN und der Azubi-Stammtisch eine gemeinsame Austauschplattform zwischen jungen Leuten mit Migrationshintergrund und deren Eltern sowie Pädago­gInnen, Berufs-, AusbildungsberaterInnen, BetriebsinhaberInnen u.v.a. schaffen, die in dieser Form neu war. Durch die persönlichen Erfahrungen und Berichte der StammtischmitgliederInnen wurden biographische "Brüche" und Strategien sichtbar, die aufzeigten, dass es doch möglich war und ist den schulischen Abschluss zu erreichen, einen beruf­lichen Einstieg zu finden oder langfristig Karriere zu machen.

Jetzt leite ich das Qualifizierungsnetzwerk für Migrantinnen und Migranten (Q.net) in Bremen, das quasi eine BQN für Erwachsene ist. Der ehemalige Stammtisch ist in den Jahren mit den Projekten und deren Ausrichtungen mitgewachsen und hat sich entsprechend zum "Qualitreff" weiterentwickelt. Einige MitgliederInnen sind ausgeschieden, einige hinzugekommen, und einige seit der 1. Stunde immer noch dabei. Diese Entwicklung bzw. Prozess des Wachsens mündet in der folgerichtigen Initiierung eines Vereins, dem Qualitreff e.V.. Unabhängig agieren, eigenverantwortlich handeln, perspektivisch planen und Kooperationen mit Partnern aushandeln und eingehen - alles unter dem Vereinsmotto "Hilfe zur Selbsthilfe". Ich glaube, dass der Qualitreff mit seinen MitgliederInnen eine große Bedarfslücke deckt; gerade in schwierigen sozio­ökonomischen Situationen suchen Menschen nach authentischen Per­sönlichkeiten und deren Geschichten, um zu verstehen, dass es sich lohnt, an sich selbst und seine Potentiale zu glauben.

Die integrationsfördernden arbeitsmarktrelevanten Themen wie "Erstausbildung, Qualifizierung und Selbständigkeit" werden durch den Qualitreffverein mit "Leben gefüllt" und greifbar gemacht. Sie werben für diese Themen und zeigen mit ihren eigenen Biographien, dass viele Wege, auch Umwege, zum Erfolg führen können. Allen ist gemeinsam: sie verstehen sich als "Vorbilder zum Anfassen" und haben sich mit ihrer Geschichte selbständig ge­macht. Q.net wird den Qualitreff­verein mit seinen Zielen und seinem Engagement unterstützen und be­gleiten, denn Projekte brauchen eben­falls UmsetzerInnen für ihre Ideen und Konzeptionen.

Ich wünsche dem Qualitreff viel Erfolg, Ausdauer und gutes Gelingen bei seinem Vorhaben. Aber was kann schon schiefgehen, wenn es heißt: "Weil Qualifizierung unser Kapital ist".

Carolina Monfort-Montero
Q-net- Projektleitung